"Der Film, der auch die Bilder einer Epoche konservierte, wird nun zu einer Sprache. Ich nenne die neue
Epoche des Films die Epoche der Kamera, der Kamera als Schreiber, la caméra stylo. Es bedeutet, daß der Film sich nach und nach aus der Tyrannei des Visuellen befreien wird, des Bildes um des Bildes
willen, um ebenso ausdrucksfähig und subtil zu werden wie das Wort: Der Autor schreibt mit seiner Kamera wie ein Schriftsteller mit seinem Stift."
- Alexandre Astruc, 1948
Die Kamera als Instrument der Stoffentwicklung
"Die Idee einen Filmstoff nicht vom Schreibtisch aus, sondern direkt am Set mit Darstellern zu entwickeln ist nicht neu. Bereits 1948 lieferte Astruc den theoretischen Ansatz, der Jahre später intensiv zur Anwendung kommen sollte - in der Novelle Vague. Ich will die Kamera nutzen um einen Stoff in seinem Enstehungsprozeß zu dokumentieren. Während ich mich mit ihr dem Ort des Geschehens annähere, beginne ich langsam das spontane Handeln der Darsteller zu lenken. Die Erzählstruktur ergibt sich aus einer dreifach aufeinander einwirkenden Interaktion, Drehort-Darsteller-Autor.
Ein erster Versuch
Im Sommer 2008 beginne ich die Arbeit an meinem ersten Versuch. Ich will die Wechselbeziehungen zwischen Drehort und Darstellern auf die Spitze treiben, Menschen an einen unbekannten Ort führen, der auf sie wirkt, sie antreibt, verunsichert, ihr innerstes nach Außen kehrt. Mit Attributen und groben Umrissen von Figurenbiographien ausgestattet führe ich sie in einer Ruine zusammen und werde Zeuge ihrer Entwicklung von skizzenhaften Gestalten zu handelnen Charakteren." Mehr dazu in Kürze.
