Der Tod und die Kinder
Kurzinhalt
Der Fall Annika Göde. In der Asche eines abgebrannten Hauses hinterlässt die junge Frau im Jahr 2001 ein Videotagebuch, das viele Fragen aufwirft. Die Aufnahmen zerfallen wie ihre Urheberin, die aus dem Leben verschwand. Ihr Bruder Thomas Gladius und die Studentin Katharina Kulper finden sich überraschend in polizeilichen Vernehmungen wieder. Plötzlich werden sie mit einer Vergangenheit konfrontiert, in der sie sich bisher als Helden sahen und als Kinder des DDR-Widerstands. Jedenfalls solange sie die Ereignisse mit ihren Kinderaugen wahrnehmen konnten. Die Geschichte der drei endete vorläufig mit den Wirrungen der Wendezeit, mit dem Jahr 1989, als sie gemeinsam mit einen fremden Mann auf den Dachboden versteckten. Durch Annikas Videotagebücher erfahren sie, dass dieser Mann für den Tod von Annikas und Thomas Eltern verantwortlich ist. Die Schuld der Vergangenheit spiegelt sich auf der Handlungsebene in den vernehmenden Polizisten, die durch ihre Aufklärungsarbeit, die einem vernünftigen Bedürfnis nach Wahrheit folgt, ebenso Leid und Schaden verschulden. Dabei sind die Beamten stets nahezu unhörbar, was es uns erlaubt ihre Position einzunehmen.
Audiodrama on location
Die Konvergenz der Medien ist kein rein technischer Aspekt, sondern auch ein inhaltlicher, der die Evolution des Geschichtenerzählens in Hörspielform bedingt. Ein Hörspiel erzählen bedeutet heute auch Radiofeature und Film zu erzählen. »Der Tod und die Kinder« ist als Enthüllungsdrama angelegt, als Audiodrama, das auf mehreren Erzählebenen die Handlung vorantreibt. Die Informationsvergabe leiht sich dabei Techniken des künstlerischen Features. Wir folgen dem Geschehen geordnet, jedoch in Ausschnitten und nicht chronologisch. Dem Hauptteil der Vernehmungssituation stehen Videotagebücher gegenüber, die im Vorfeld tatsächlich als Filme gedreht wurden. Auch der Aufnahmemodus der Vernehmungssituation ist ein filmischer. Die Schauspieler agieren nicht im Studio, sondern in tatsächlichen Räumen. Die Aufnahme erfolgte on location und wird gestützt durch einen gezielten Perspektiveinsatz, der zuvor in einer akustischen Auflösung festgelegt wurde. Ziel ist es die Handlung des Audiodramas in den Zustand einer Stoffentwicklung in Echtzeit zu transponieren. Konkret heißt das, den Hörer zum Co-Autor der Erzählung zu machen.
Die Rollen und ihre Darsteller
Katharina Kulper - Annika Ernst
Thomas Göde - Tim Oliver Schultz
Annika Gladius - Anne Müller
Stab
Buch: Martin Bauch
Regie: Sebastian Hocke
Ton und Schnitt: Andrej Tschitschil
Produktionsleitung: Inga Köhler
Aufnahmeleitung und Regieassistenz: Inga Tiezel
Produktion: Sebastian Hocke & Andrej Tschitschil 2010